Quelle: Wikipedia.com User: Flummi-2011
S-Bahn am Bahnhof Endhaltestelle Wolfratshausen

Maßnahmen gegen Störungen der S7 dringend erforderlich

Die Region München erfährt in den letzten Jahren ein beispielloses Wachstum. Die wirtschaftliche Prosperität, die gute Lebensqualität und das breite kulturelle Angebot der Landeshauptstadt sowie der hohe Freizeitwert des Umlands machen den Großraum München für immer mehr Menschen zur Wahlheimat. Das Bevölkerungswachstum und der strukturelle Wandel zum High-Tech Standort hat München zur „Pendlerhauptstadt“ der Republik gemacht. Stadt und Bund reagierten auf diese Entwicklung mit dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur wie z.B. den Luise-Kieselbach-Tunnel am Mittleren Ring oder dem aktuell stattfindenden Ausbau der A99. Dennoch können diese Projekte die Verkehrssituation allenfalls entspannen. Eine zweite Säule der Mobilität der Menschen im Umland stellt die Münchner S-Bahn dar. Auch hier soll bis zum Jahr 2026 mit dem zweiten Stammstreckentunnel das Nadelöhr im Innenstadtbereich aufgelöst werden.

Florian Keil
Florian Keil

Ob diese Schritte hinreichend sind, um den alltäglichen Verkehrskollaps Richtung München auf Autobahn und Schienen zu beheben, bezweifeln die Nachwuchspolitiker der Jungen Union München Land und Bad Tölz-Wolfratshausen. „Die genannten Infrastrukturprojekte haben für die Region eine hohe Priorität. Doch leider hat sich gerade im Bereich der Münchner S-Bahn Anfang März dieses Jahres der schlechte Zustand der bestehenden Infrastruktur im Rückgrat des ÖPNV-Systems offenbart. In der kältesten Periode des Jahres war die Stammstrecke innerhalb einer Woche an vier Werktagen im morgendlichen Berufsverkehr und z.T. während des ganzen Tages aus verschiedenen technischen Gründen gesperrt“, wie Florian Keil, stellvertretender Kreisvorsitzender der Jungen Union im Landkreis München ausführt.

Andreas Ofenbeck
Andreas Ofenbeck

Zum Teil ist diese Störungsserie der Witterung zuzuschreiben, dennoch haben sich in dieser Woche auch eklatante Versäumnisse im Bereich der Instandhaltung gezeigt. Eine Entwicklung die sich über Jahre aufgebaut hat und auch auf vielen Außenästen des S-Bahnnetzes zu beobachten ist. „Ein besonderes Sorgenkind der S-Bahn München stellt die Linie S7 dar“, betont Andreas Ofenbeck. Der Kreisvorsitzende der JU Bad Tölz-Wolfratshausen ist zugleich Ortsvorsitzender in Wolfratshausen und kann aus eigener Erfahrung von vielen Zugausfällen und Verspätungen auf dem Weg zur Arbeit und zurück berichten. Sie vereinigt die beiden längsten eingleisigen Abschnitte zwischen München Solln und Wolfratshausen sowie München Giesing und Kreuzstraße zu einer Problemlinie. „Neben den Auswirkungen der Störungen auf der Stammstrecke stellen auch die zahlreichen Weichen und Bahnübergänge auf beiden Ästen der Linie ein hohes Störungspotential dar“, so Ofenbeck. In den Monaten Dezember 2017 bis Februar 2018 kam es im Bereich der S7 zu über 160 Störungen (also Durchschnitt 1,8 mal pro Tag), die durch den DB-Service „Streckenagent“ offiziell an die Kunden kommuniziert wurde. Diese betrafen zum großen Teil (57%) technische Probleme. Dieser Zustand ist für den ÖPNV einer modernen Metropole nicht haltbar und ein Schlag ins Gesicht der Kunden der S-Bahn München. Das Anfang der Woche angekündigte Lagezentrum werde daran nichts ändern: „Den Pendlern bringt das lediglich, dass sie nicht erst am Bahnsteig erfahren, dass sie auf Ersatzverkehrsmittel ausweichen müssen. Viel wichtiger wäre es, dass die S-Bahn überhaupt fährt“, schildern die JU-Vorsitzenden ihre Position.

Nicola Gehringer
Nicola Gehringer

Zur Verbesserung des Betriebsablaufs und der Pünktlichkeit der Linie S7 fordern die Nachwuchspolitiker die S-Bahn München und die jeweils zuständigen Stellen daher zum raschen Handeln auf. Die Kreisvorsitzende der JU im Landkreis München, Nicola Gehringer, fordert: „Wir brauchen dringend das digitale Stellwerk am Ostbahnhof. Viele Ersatzteile für die aktuell dort verbaute Technik werden schon lange nicht mehr hergestellt. Wir brauchen den Mut zu Investitionen, auch wenn diese zunächst nicht wirtschaftlich erscheinen. Wenn es beim Bau der S-Bahn nach Wirtschaftlichkeitsberechnungen gegangen wäre, hätten wir heute keine S-Bahn.“ Die Junge Union schlägt des Weiteren folgende Maßnahmen vor:

 

  • technische Betriebseinrichtungen besser warten und rascher erneuern

    Die S7 hat aufgrund der langen eingleisigen Streckenabschnitte viele störungsanfällige Betriebseinrichtungen wie Signale, Schranken, Weichen. Mit im Durchschnitt einer technischen Störung täglich ist deren Ausfallrate für einen zuverlässigen Betrieb zu hoch.

     

  • beide Äste der S7 in zwei eigenständige Linien trennen

    Die beiden langen eingleisigen Abschnitte der S7 mit zahlreichen Bahnübergängen und Weichen an Kreuzungsbahnhöfen sorgen für eine hohe Anzahl an Störungen. Diese wirken sich immer auf den anderen, eigentlich störungsfreien, Linienast aus.

    Langfristig wird die S7 West über Wolfratshausen nach Geretsried nochmals verlängert, was dieses Problem weiter verstärken wird.

     

  • Pufferzeiten an den Endstationen erhöhen

    Zum Ausgleich hoher Verspätungen sind an den Endstationen mehr Puffer einzuplanen, damit nicht bereits ab der ersten Station Züge mit Verspätung auf die Strecke geschickt werden.

     

  • eingleisigen Streckenabschnitte zwischen M.-Solln und Wolfratshausen sowie M.-Giesing und Höhenkirchen-Siegertsbrunn zweigleisig ausbauen

    Das stetige Wachstum der Gemeinden an der S7 und steigende Fahrgastzahlen machen auf lange Sicht eine höhere Beförderungskapazität notwendig. Mit Eröffnung der zweiten Stammstrecke wird in der Innenstadt die Möglichkeit eines 10 Minutentaktes auf bisher weniger dicht getakteten Linien gegeben sein. Zu dessen Umsetzung sind auf beiden Ästen der S7 ein zweigleisiger Streckenausbau, sowie ein höhenfreier Ausbau zahlreicher Kreuzungspunkte notwendig.

 


Quelle: ILB 17.03.2018
Quelle: ILB 17.03.2018