Wohnungsmarktsituation im Landkreis - JU bezieht klare Stellung

JU Wolfratshausen setzt sich für mehr bezahlbaren Wohnraum ein

Stand:

Die Junge Union Wolfratshausen sieht die aktuelle Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt äußerst kritisch. Wir als Einwohner des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen leben in der wohl schönsten Region der Welt und diese Lage ist unbezahlbar. Allerdings darf das nicht dazu führen, dass die Zukunft in unserer Region für viele junge Erwachsene und junge Familien unfinanzierbar wird. Im aktuellen Postbank Wohnatlas 2015 (https://www.postbank.de/postbank/wohnatlas-2015.html) werden einige Trends sichtbar, deren langfristige Konsequenzen wir als Gesellschaft und insbesondere aus Sicht der jungen Generation als überaus problematisch erachten sollten:
1. Eine 70m²-Eigentumswohnung für den als Referenz angegebenen Preis von 210.000€ zu bekommen, ist zum einen mehr als zweifelhaft, wenn nicht gar unrealistisch. Zum anderen weist der Wohnatlas die Möglichkeiten einer effizienten Finanzierung so einer Wohnung selbst für durchschnittlich verdienende Singles als schwierig aus.
2. Der Wohnatlas zeigt, dass die Finanzierung einer 110m²-Eigentumswohnung in unserem Landkreis einzig von durchschnittlich verdienenden Paaren ohne Kinder zufriedenstellend gestemmt werden kann.
3. Alleinstehende Senioren, Senioren-Paare, oder Paare mit einem oder mehr Kindern haben keine realistische Chance, sich bei uns Wohneigentum anzueignen, sofern sie „nur“ über ein durchschnittliches Einkommen verfügen.
Die Ergebnisse des Postbank Wohnatlas 2015 sind durchaus nachvollziehbar und realistisch. Ebenso realistisch ist, dass die oben genannten Punkte zu den folgenden Entwicklungen führen können und werden:
1. Wer ausreichend Wohneigentum für seine Familie besitzt, wird keine negativen Entwicklungen zu befürchten haben. Eigentümer von mehreren Immobilien werden durch die Nachfrage auf dem Wohnmarkt und die Mieteinnahmen ihr Vermögen weiter und künftig noch schneller akkumulieren können.
2. Durch steigende Mieten, welche eine logische Konsequenz aus Angebot und Nachfrage sind sowie der Tatsache, dass viele Wohnungen durch niedrige Zinsen und einer fehlenden sicheren Alternative zur Geldanlage finanziert werden und „re-finanziert“ werden wollen, sinkt das Nettoeinkommen (= das, was nach Abzug der Lebenshaltungskosten übrig bleibt) der zur Miete wohnenden Bevölkerung stetig. Das bedeutet im Klartext, dass am Ende für alle Mieter weniger Geld zur Verfügung steht.
3. Dadurch steigt vor allem die Altersarmut, da die Renten nicht in demselben Maße steigen wie die Mietpreise. Angesichts der Tatsache, dass sich die junge Generation bereits heute gezwungen sieht privat zusätzlich für den Altersruhestand vorzusorgen, ist dies aus Sicht der jungen Generation doppelt problematisch.
4. So zynisch es klingt: Paare werden sich Kinder bei uns nicht mehr leisten können. Das führt entweder dazu, dass Paare kinderlos bleiben (was angesichts der Entwicklung unserer Demografie höchst problematisch ist), oder diese werden nach Möglichkeit aus unserer Region wegziehen.
5. Geringverdienende Mitbürger, welche jedoch für uns zentrale Arbeiten in den Sektoren Dienstleistung und insbesondere Pflege übernehmen, werden die Hauptleidtragenden dieser Entwicklung sein. Das kann und wird dazu führen, dass gut ausgebildete Arbeitskräfte abwandern und der bereits bestehende Mangel vor allem in den Bereichen Erziehung und Kranken-/Alterspflege massiv verschärft wird.
6. Das Kernstück unserer demokratischen Gesellschaft, die bürgerliche Mittelschicht, wird in unserer Region noch drastischer ausgedünnt, wobei nur diejenigen mit Wohneigentum die Chance haben werden aufzusteigen, wohingegen Senioren und jungen Familien existenzielle finanzielle Einbußen drohen.
Als politisches Sprachrohr der christlich-sozialen Jugend und jungen Familien positioniert sich die Junge Union Wolfratshausen hier klar für mehr bezahlbaren Wohnraum. Verstärkter sozialer Wohnungsbau ist sicherlich notwendig, um die finanzielle Notlage von besonders betroffenen Mitbürgern zu lindern. Jedoch stellt das doch nicht viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein dar, liebe Kollegen der SPD! Was wir vielmehr brauchen sind Anreize und Möglichkeiten für junge Familien mit Kindern, die in unserer Region sesshaft werden und sich eine Zukunft aufbauen wollen. Unkontrollierter Zuzug ist für unsere wunderschöne Region keine Option, aber wir dürfen uns auch nicht vor den Notwendigkeiten der heutigen Zeit verschließen. Bezahlbare Grundstücke oder Mehrraumwohnungen für junge Familien sind absolute Mangelware. Wer in dieser Angelegenheit mit der selbstregulierenden Kraft des Marktes nach Angebot und Nachfrage argumentiert, ist angesichts der aktuellen Lage am Finanzmarkt auf dem Holzweg! Junge Familien müssten sich auf Jahrzehnte verschulden und sollen gleichzeitig für die eigene Rente vorsorgen. Junge Beschäftigte im unteren Dienstleistungssektor werden aus eigener Kraft bei uns nie Wohneigentum erwerben können und sind so indirekt gezwungen den Verlust der eigenen Kaufkraft durch die steigenden Mieten hinzunehmen. Es ist die Aufgabe der Politik, diesen Irrsinn in die Schranken zu weisen und an die Gesellschaft zu denken: Eine alternde Bevölkerung braucht in verstärktem Maße Dienstleistungen und Pflege. Sie braucht eine prosperierende Jugend, welche den Generationenvertrag weiterführt. Wenn wir weiterhin erfolgreiche Grundlagen für unsere Gesellschaft in der Region schaffen wollen, gebietet es die Vernunft, unserer Jugend Chancen einzuräumen und diese Zukunft zu ermöglichen!

Andreas Ofenbeck
Ortsvorsitzender Junge Union Wolfratshausen